Scott Westerfeld: Pretty – Erkenne dein Gesicht

  • Verlag: Carlsen (2016)
  • Übersetzung: Gabriele Haefs
  • 400 Seiten

Klappentext: „Tally ist von einer Ugly zur Pretty geworden. Sie sieht umwerfend aus, hat einen tollen Freund und ist wahnsinnig beliebt. Aber bei allem Spaß, den Partys, dem Luxus, spürt Tally, dass irgendetwas nicht stimmt. Dann erhält sie eine Botschaft aus ihrer Vergangenheit – und plötzlich wird ihr klar, was in der Pretty-Welt fehlt. Tally beginnt, umzudenken und begibt sich damit in tödliche Gefahr. Denn wer zu viel weiß, gerät schnell ins Visier der Behörden …“

Tally hat ihr Gesicht verloren – und damit auch ihre Individualität. Gleich zu Anfang wird man in die Welt der Pretties hineingeworfen. Endlich bekommt man einen tieferen Einblick in die Stadt und in die Denkweise der Pretties. Es wird sofort klar, wie sie sich von den Uglies unterscheiden. Es dreht sich nur um Partys, Beliebtheit und Popularität. Tally steckt mitten im Partyfieber und denkt zunächst gar nicht mehr an ihre Erfahrungen in Smoke und den Plan, den sie ausgearbeitet hatte.

Sprachlich geht der Unterschied zwischen Uglies und Pretties klar hervor – Pretties sprechen anders als die anderen. Es werden sehr oft Wörter wie „Pfusch“, „xy-Faktor“, „prickelnd“ usw. benutzt – die Denkweise der Pretties spiegelt sich in ihrer Sprache und ihrem verminderten Wortschatz wider. Hierbei verwendet Westerfeld eine eigene Jugendsprache, die daher auch nach einigen Jahren noch authentisch rüberkommt. Der Unterschied zwischen Ugly-Tally aus Band 1 und Pretty-Tally aus dem zweiten Band wurde gut ausgearbeitet. Tallys neue Denkweise unterscheidet sich so sehr, dass man sie fast für eine andere Person halten könnte, was vermutlich auch so gedacht ist. Auch die Nebenpersonen machen interessante Entwicklungen durch; bei jedem muss man zudem immer im Hinterkopf behalten, dass der Charakter durch die Pretty-Denkweise verändert wurde. Nicht immer ganz nachvollziehen konnte ich Shays Handlungen/Gedanken – darauf gehe ich aus Spoilergründen jedoch nicht näher ein.

Ich könnte mir gut vorstellen, dass der ein oder andere sich an der angebahnten Dreiecksgeschichte stören könnte – ich fand diese jedoch insofern logisch, als dass Ugly-Tally eine andere war als die Tally, die sich für den Cliquenanführer Zane interessiert. Ich denke auch, dass hier wieder die Frage nach dem Stellenwert der Schönheit gestellt wird: lieber der schöne, mutige Zane oder der natürliche David, der das Stadtleben nie kennengelernt hat und dem Äußerlichkeiten egal sind? Außerdem wird die Frage nach der Freiheit wieder aufgeworfen: möchte man wirklich auf alle Annehmlichkeiten verzichten, nur um persönliche Freiheit zu haben? Ich finde, dass dazu einige spannende Stellen im Buch zu finden sind. Zumal man auch ein wenig über den Rest der Welt erfährt und dass nicht alle Menschen im selben System leben wie Tally und ihre Freunde. Klar ist: es ist sehr schwer, gegen das System anzukämpfen und gegen die eigene Denkweise anzukommen. So gesehen auch immer noch ein aktuelles Thema.

Fazit: Gelungene Fortsetzung, bei der man einiges mehr über die Welt der Pretties erfährt.

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