Andrea Stift-Laube: Schiff oder Schornstein

  • Verlag: Kremayr & Scheriau (2019)
  • 192 Seiten

Klappentext: „Franziska ist verschwunden. Das ist sie schon öfter. Dann sagt man, sie ist wohl wieder irgendwo Tiere befreien, im Wald, am Nordpol, irgendwo auf einem Schiff. Aber dieses Mal kommt sie nicht mehr zurück. Sie ist spurlos verschwunden und niemand weiß, was passiert ist. Ihre Schwester Ila begibt sich auf die Suche, wühlt in ihrer beiden Vergangenheit und trifft den Umweltaktivisten Konstantin, der unglücklich in Franzi verliebt ist. Ila und Konstantin werden Freunde und bewältigen ihre Trauer in einem schrägen Kunstprojekt, das ein Statement gegen Massentierhaltung und Fleischkonsum sein soll: einem Online-Versand für Katzenfleisch.Andrea Stift-Laube gelingt es, trotz psychologischer Detailaufnahmen und liebevoll gezeichneter Charaktere ins Makabre zu kippen, und das gänzlich unaufgeregt. Dabei zeigt sie auferschreckende Weise den kaum hinterfragten Wahnwitz unseres Gesellschaftssystems angesichts Klimawandels und Ressourcenknappheit.“Seit Franziska weg ist, habe ich die Verpflichtung, die Welt zu retten. Weil es ja sein könnte, dass sie eines Tages wiederkommt. Und mich fragt, was ich inzwischen so gemacht habe.““

„Schiff oder Schornstein“ beschäftigt sich mit vielen aktuellen und wichtigen Themen rund um Umwelt- und Tierschutz. Das Buch ist sehr gut geschrieben, einige Szenen waren so anschaulich, dass ich nach dem Lesen erst einmal innehalten musste, um das Gelesene zu verarbeiten. Die Charaktere sind sehr vielschichtig und wirken realitätsnah. Teilweise findet man sich selbst wieder, im Positiven wie in Negativen. Die Geschichte wird aus zwei verschiedenen Perspektiven erzählt, die sich erzählerisch so unterscheiden, dass man am Stil erkennt, wer gerade erzählt. Verschiedene Perspektiven sind oft nicht sinnvoll und störend für den Lesefluss, daher war ich positiv überrascht, dass das hier so gut umgesetzt wurde.

Als Leser kann man gut nachempfinden, was die Personen fühlen. Zum einen die empathische Ila, die sich sehr für Tiere einsetzt und zum anderen Konstantin, der unglücklich verliebt ist und in einem ständigen Zwiespalt lebt. Die zwischenmenschlichen Beziehungen und deren Entwicklungen werden sehr gut beschrieben und regen zum Nachdenken an. Auch der Zwiespalt zwischen einem bequemen Leben und der Liebe zur Umwelt wird deutlich und dass auch vermeintlich vorbildliche Menschen dennoch Menschen sind, mit Fehlern und dem Hang zu falschen Entscheidungen. Außerdem stellt sich die Frage, wie weit Tierschutz gehen darf, ohne dass man sich selbst schadet. Gerade Franziska ist ein interessanter Charakter, über den man erst durch die beiden Perspektiven viel erfährt. Die Entwicklungen in der Geschichte stimmen einen nachdenklich und regen zu der kritischen Auseinandersetzung mit dem Gelesenen an.

Fazit: Gerade das Thema Umwelt bietet sehr viel Raum für kritische Diskussionen. In diesem Buch wird der Leser angeregt, nachzudenken und sich ein Urteil über die angesprochenen Konflikte zu bilden. Hierbei gibt es auch verschiedene Schlüsse, die gezogen werden können. Der Schreibstil und die Entwicklung der Story sind sehr überzeugend. Ein absolut empfehlenswertes Buch.

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