Amalia Zeichnerin: Orangen und Schokolade

  • 2019
  • 153 Seiten

Klappentext: „Sarah ist Genießerin aus Überzeugung, trägt Plus-size und betreibt einen Backblog. Thomas ist Fitnesstrainer, Veganer und bloggt zum Thema Healthy Living. Auf den ersten Blick haben die beiden kaum etwas gemeinsam. Oder vielleicht doch?

Ein in Hamburg angesiedelter Liebesroman über zwei sehr unterschiedliche Menschen. Das Buch enthält einige Rezepte.“

Von dem wirklich sehr hübschen Cover in den Bann gezogen, habe ich dieses doch sehr kurze Buch innerhalb kürzester Zeit gelesen. Das Geschichte würde ich als nette, fluffige Liebesgeschichte beschreiben, dennoch sind mir beim Lesen so einige Punkte aufgefallen, die mich gestört haben.

Zum einen blieben alle Personen ziemlich blass. Wer zum Beispiel ist Sarahs beste Freundin Jeanine? Der Leser erfährt im Verlauf der Geschichte so gut wie nichts über sie. Aber auch Sarah und Thomas wurden sehr wenig charakterisiert, sodass ich Probleme hatte, mir die beiden vorzustellen. Es kam mir fast so vor, als würde Sarah den ganzen Tag nur backen und Thomas sich am laufenden Band mit Veganismus beschäftigen. Alle anderen Hobbys, Freunde und Charaktereigenschaften treten stark in den Hintergrund. Was mich auch massiv gestört hat ist, dass Sarah nicht von selbst über sich hinauswächst. Da ich nicht spoilern möchte, kann ich das an dieser Stelle nicht weiter ausführen, aber Sarah wird als „Genießerin aus Überzeugung“ beschrieben und als „gar nicht mal so unglücklich“ über ihr Singledasein und ihr Übergewicht. Ich habe also eine recht selbstbewusste Frau erwartet, davon war nach den ersten Seiten aber nichts mehr zu lesen. Tatsächlich wird Sarahs Entwicklung wesentlich mehr ausgeführt, als die von Thomas. Beinahe hatte ich das Gefühl, dass nur Sarah sich in Thomas‘ Richtung entwickelt, anstatt dass sie sich in der Mitte treffen.

Das Thema Body Positivity wurde recht gut aufgegriffen, wobei ich einige Nebenkonflikte unnötig fand und stattdessen lieber mehr über das eigentliche Thema und den eigentlichen Konflikt erfahren hätte. Das Buch hätte auch gerne noch etwas länger sein können, denn das Thema bietet eigentlich noch sehr viel mehr Raum. Der Schreibstil war in Ordnung und las sich recht flüssig, allerdings habe ich einen minimalen Logikfehler gefunden, der den Inhalt aber nicht weiter negativ beeinflusst hat.

Um zur Ursprungsfrage zurückzukommen: passt Healthy Living zu Genuss? Nach der Lektüre muss ich sagen: scheint mir nicht so. Aber abgesehen von dieser Erkenntnis, bleibt eine nette, moderne Liebesgeschichte. Ein weiterer Pluspunkt sind die Rezepte am Ende. Das ist eine wirklich gute Idee und ich denke, dass sich ausprobieren hier lohnt. Ich habe sehr lange für diese Rezension gebraucht, weil ich mir absolut nicht sicher war, wie meine Bewertung ausfallen sollte. Ich habe mich für 2,5 Sterne entschieden, aufgerundet auf drei, da die Geschichte trotz all den Dingen, die mir nicht gefallen haben, doch seinen Charme hat. Und ich denke, dass Leser, die einfach eine nette Liebesgeschichte lesen möchten, mit diesem Buch sicher nicht schlecht bedient sind.

Fazit: Nette Liebesgeschichte, allerdings waren blieben die Personen recht blass; der Hauptkonflikt zum Thema Body Positivity wurde manchmal zugunsten von Nebenschauplätzen vernachlässigt.

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