Marie-Aude Murail: Simpel

  • Fischer (2017)
  • Übersetzung: Tobias Scheffel
  • 304 Seiten

Klappentext: „Hier sind alle total blöd!

Simpel kann total schnell zählen: 7, 9, 12, B, tausend, hundert. Er ist zweiundzwanzig Jahre alt, und mental auf dem Stand eines dreijährigen Kindes. Sein Bruder Colbert kümmert sich um ihn – keine leichte Aufgabe. Als die beiden zusammen in eine WG ziehen, wird es turbulent, denn Simpel zu betreuen, ist alles andere als simpel.
Marie-Aude Murail erzählt diese anrührende Geschichte mit liebevollem Humor, und am Ende möchte keiner mehr ohne Simpel sein.“

 

Die Geschichte von Colbert und seinem geistig behinderten Bruder Simpel ist mit recht einfacher Sprache erzählt, liest sich dementsprechend schnell. Inhaltlich ist das Buch aber nicht immer leichte Kost: es erzählt auch von den unschönen Seiten, die eine Behinderung mit sich bringt, von Problemen und Diskriminierung.

Die Vorurteile, die behinderten Personen entgegengebracht werden, werden eingehend beschrieben, aber tatsächlich werden beide Seiten der Medaille beleuchtet. Gerade dies macht dieses Buch so gut: man versteht, wie schlimm es als Betroffener/Angehöriger sein muss, aber man versteht auch, dass es manchmal ungewohnt oder sogar unangenehm für Außenstehende sein kann. Die Autorin geht dabei sehr einfühlsam mit dem doch recht schwierigen Thema um und macht das Thema auch für Personen zugänglich, die noch nie damit zu tun hatten und/oder noch jünger sind. Auch eine gesunde Portion Humor fehlt hier nicht.

Dennoch muss ich auch etwas kritisieren: an einigen Stellen wirkt das Buch auf mich recht klischeehaft, besonders zum Ende hin. Die Entwicklung der Personen war für mich zwar meistens, aber eben auch nicht immer ganz nachvollziehbar. Dafür beinhaltet das Buch aber eine sehr wichtige Message: Solidarität und gegenseitige Akzeptanz ist unglaublich wichtig für unser Zusammenleben. Man sollte auch über den eigenen Tellerrand schauen, denn manchmal findet man dort Dinge, die man später nicht mehr missen möchte. Von daher würde ich sagen, dass das Buch gelungen und gerade auch für jüngere Leser eine gute Wahl ist.

Fazit: Einfühlsames Buch, humorvoll und leicht zu lesen.

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