Julie Murphy: Dumplin‘

  • Verlag: Fischer (2018)
  • Übersetzung: Kattrin Stier
  • 400 Seiten

Klappentext: „Die #1 der „New York Times“-Bestsellerliste: Dick UND schön? Unsicher UND mutig? Dumplin‘ ist all das und noch viel mehr.

Willowdean – „16, Dolly-Parton-Verehrerin und die Dicke vom Dienst“ – wird von ihrer Mutter immer nur Dumplin‘ genannt. Bisher hat sie sich in ihrem Körper eigentlich immer wohl gefühlt. Sie ist eben dick – na und? Mit ihrer besten Freundin Ellen an ihrer Seite ist das sowieso total egal.

Doch dann lernt sie den sportlichen und unfassbar attraktiven Bo kennen. Kein Wunder, dass sie sich hoffnungslos in ihn verknallt – dass er sie allerdings aus heiterem Himmel küsst, verunsichert sie völlig. Plötzlich macht es ihr doch etwas aus, nicht schlank zu sein.

Um ihre Selbstzweifel in den Griff zu bekommen, beschließt Will, sich der furchteinflößendsten Herausforderung in ganz Clover City zu stellen: Sie will am „Miss Teen Blue Bonnet“-Schönheitswettbewerb teilnehmen und allen – vor allem sich selbst – beweisen, dass die Kleidergröße für das ganz große Glück überhaupt keine Rolle spielt.

„Badeanzüge haben so etwas an sich, das einen denken lässt, man müsste sich erst das Recht verdienen, sie zu tragen. Aber eigentlich ist doch die entscheidende Frage:

Hast du einen Körper? Dann zieh ihm einen Badeanzug an.“

In dem Buch begleiten wir die 16-jährige Willowdean, die an einem Schönheitswettbewerb teilnehmen möchte – trotz ihres Übergewichts. Der Hauptfokus der Story liegt also auf dem Thema Body Positivity, einem Thema, bei dem man meiner Meinung nach einiges falsch machen kann. Gerade bei Büchern mit übergewichtigen Protagonisten bin ich immer vorsichtig – häufig endet die erdachte positive Message am Ende doch im Abnehmwahn. Dies war hier zum Glück nicht der Fall.

Willowdean war nicht immer ein einfacher Charakter. Es ist nicht so, dass sie mir unsympathisch gewesen wäre, aber sie spricht sehr oft überhastet Dinge aus, mit denen sie andere vor den Kopf stößt. Ich kann ihre Entwicklung im Allgemeinen aber nachvollziehen. Ihr Verhalten gegenüber ihrer Mutter fand ich beispielsweise nicht immer fair, das Verhalten ihrer Mutter ihr gegenüber aber auch nicht. Ich denke, bei der Beziehung zwischen Mutter und Tochter werden einige Konflikte deutlich, gerade auch, was das Gewicht betrifft. Außerdem gibt es in der Familie noch einen Todesfall, den Mutter und Tochter gleichermaßen verarbeiten müssen. Beide haben unterschiedliche Arten zu trauern und geraten dadurch aneinander. Aber auch hier konnte ich beide Seiten verstehen. Das Thema Trauerbewältigung spielt im Buch eine große Rolle – dadurch wird das Hauptthema jedoch keineswegs vernachlässigt: ihre verstorbene Tante war ebenfalls stark übergewichtig, wodurch ganz neue Aspekte der Thematik im Buch ihren Platz finden.

Auch ihre beste Freundin El wird von der Protagonistin vor den Kopf gestoßen, ich kann Willowdeans Seite der Medaille aber durchaus auch verstehen. Ein wenig schade fand ich, dass zwischen den beiden so wenig Kommunikation stattfand, vor allem von Willowdeans Seite aus. Letztendlich sieht man aber dadurch auch die (Körper-)konflikte, die jeder haben kann – dicke Mädchen, dünne Mädchen, Mädchen mit schiefen Zähnen oder Mädchen mit anderen optischen Eigenheiten. Probleme mit dem eigenen Körper werden die meisten wohl kennen, auch diejenigen, denen man dies auf den ersten Blick nicht ansieht. Auch das wird in dem Buch gut rübergebracht. Body Positivity ist ja nicht nur auf Übergewicht fokussiert, sondern ist auch für alle anderen wichtig. Ich finde es schön, dass das hier so klar hervorgehoben wurde und das Buch dadurch letztendlich für alle eine positive Botschaft vermittelt.

Die Nebencharaktere fand ich sehr gut ausgearbeitet, gerade Millie und Hanna. Hierbei werden, wie bereits erwähnt, auch andere Aspekte von Body Positivity mit einbezogen – auch Mädchen, die nicht „perfekt“ sind, haben eine Berechtigung, sich schön zu fühlen und sind keinesfalls weniger wert als die vermeintlich perfekten. Ich finde auch nicht, dass Willowdean die anderen herabwürdigt, vielmehr nimmt sie auch deren optische Eigenheiten zur Kenntnis und kommt selbst zu dem Schluss, dass jeder so aussehen sollte, wie er mag. Man darf dabei nicht vergessen, dass sich und andere so zu akzeptieren, wie sie sind, ein Prozess ist. Dieser wird realistisch und mit viel Gefühl beschrieben. Den Body Positivity-Aspekt des Buches finde ich also durchaus gelungen.

Gestört hat mich das Liebesdreieck. Das war meiner Meinung nach unnötig und hat zur eigentlichen Story nicht wirklich etwas beigetragen. Es trug auch nicht zur Spannung bei, da ich es recht offensichtlich fand, auf wen Willowdeans Wahl fallen würde. Das Liebesdreieck hätte man meiner Meinung nach auch weglassen können.

Dass am Ende noch einige Fragen offenblieben, hat mich eigentlich nicht gestört. Denn am Ende kommt es schließlich darauf an, zu sich selbst zu stehen und man selbst sein zu können. Daher passt ein offenes Ende sogar sehr gut zu diesem Buch.

Fazit: Schönes Buch über Body Positivity, in dem sich sicher einige Leser wiedererkennen werden – egal ob dick oder dünn.

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