Simon Beckett: Tiere

  • Verlag: Rowohlt (2011)
  • Übersetzung: Andree Hesse
  • 288 Seiten

Klappentext: „Manche Menschen sind Tiere.
Nigel ist sicherlich nicht der Hellste. Aber er ist meistens ganz guter Laune. Im Büro gibt es immer etwas zu kopieren, und außerdem sind da Cheryl und Karen. Auch im Pub, den seine Eltern früher führten und in dem Nigel jetzt wohnt, fühlt er sich wohl. Es gibt hier zwar kein Bier und keine Zigaretten mehr, aber Nigel interessiert sich sowieso mehr für Fernsehen und Comics.
Und dann ist da noch der Keller. Hier hält Nigel seine Mitbewohner. Dass die nicht freiwillig da unten wohnen, stört Nigel nicht …“

Aufgrund der vielen schlechten Bewertungen habe ich nicht besonders viel erwartet. Vielmehr wollte ich schauen, ob man eine so gute Idee wirklich so in den Sand setzen kann. Die Antwort: Nicht unbedingt.

Nigel ist mäßig intelligent und leicht kindlich, aber meistens gut gelaunt. Er lebt in der (mittlerweile geschlossenen) Bar, die früher seine Eltern geführt haben. Unten im Keller wohnen seine Mitbewohner, die leider nicht ganz freiwillig dort sind.

Das Buch dreht sich nicht nur um die „Tiere“. Vielmehr wird auch viel über Nigels Leben erzählt, aber ich finde, dass Beckett nie den Faden verliert und es trotzdem interessant bleibt.

Die Personen, die vorkamen, waren recht gut beschrieben und ausgearbeitet – und allesamt unsympathisch. Dadurch, dass viel aus Nigels Vergangenheit erzählt wird, versteht der Leser zwar ein wenig besser, warum er so handelt, sympathisch wurde er für mich dadurch aber nicht. Stellenweise geht es auch um Nigels Besuch von Cheryl, Karen und deren gemeinsamen Freund. Hier erfährt man einiges über Nigels Sozialverhalten und seine Sexualität – ich fand es interessant, tiefere Einblicke in seine Persönlichkeit zu bekommen, allerdings nahmen diese Stellen sehr viel Raum ein, und die „Tiere“ kamen derweil gar nicht vor.

Beckett selbst sagt in seinem Vorwort, dass der Leser Sympathien für Nigel hegen soll, obwohl er schreckliche Dinge tut. Das ist ihm meiner Meinung nach nicht gelungen, zumindest ich hatte zu keinem Zeitpunkt auch nur einen Funken Verständnis oder gar Sympathie für Nigel übrig. Ich war eher angewidert. Außerdem schreibt Beckett, das Buch wäre voller schwarzem Humor und der Leser solle trotz Entsetzen auch Lachen. Auch das war bei mir nicht der Fall, ich konnte nirgends eine Stelle finden, über die ich gelacht hätte. Aber das kann natürlich auch daran liegen, dass ich kaum/keinen schwarzen Humor habe. Auch beim Klappentext hätte ich mal eine Frage: „Manche Menschen sind Tiere“. Was denn für Menschen? Was soll mir das sagen? Ist Nigel ein Tier, weil er schreckliche Dinge tut? Oder seine Mitbewohner, weil Nigel sie für Tiere hält? Oder seine Gäste, die sich benehmen wie die Axt im Walde?

Die Geschichte ist meiner Meinung nach ganz ordentlich gelungen, wenn auch Potential für mehr dagewesen wäre. Das Buch hat mich unterhalten, entsetzt, angewidert. Der Schreibstil war angenehm und das Buch las sich schnell weg. Letztendlich ein gelungener Thriller, dessen Titel und Klappentext aber ein wenig in die Irre führen – im Vordergrund steht nämlich Nigel selbst, nicht die „Tiere“.

Fazit: Die Idee wurde einigermaßen gut umgesetzt, das Buch ist aber auch kein Meisterwerk. Der Inhalt entspricht nicht ganz dem, was man bei dem Titel und der Beschreibung erwarten würde. Das Ende war in Ordnung.

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