Niklaus Flütsch: Geboren als Mann, glücklich als Frau

  • Verlag: Wörterseh (2018)
  • 256 Seiten
Klappentext: „Niklaus Flütsch kam 1964 in Zürich zur Welt. Als Bettina. Das Kind trug alle äußeren Zeichen eines Mädchens, wurde von seiner Umgebung auch eindeutig als solches wahrgenommen, fühlte sich aber als Junge. Im Alter von vier Jahren bat es seine Mutter, sich die langen Haare schneiden zu dürfen. Die Enttäuschung, dass mit den fallenden Haaren nicht automatisch ein Zipfelchen zwischen seinen Beinen wuchs, war immens. Über seine Seelennot redete das Kind nie, auch nicht in der Pubertät. Es arrangierte sich so weit wie möglich mit seiner weiblichen Hülle, studierte später Medizin und wurde Gynäkologin. Im Alter von 46 Jahren schließlich entschied sich Niklaus, so der neue Name, zur Transition. Im nun folgenden Prozess sprach er das erste Mal über seine Not. Mit seinen Eltern, seinen Geschwistern, seinen Patientinnen, seinen Freundinnen und Freunden, seinen Arbeitskolleginnen und -kollegen. Er setzte alles auf eine Karte und war bereit, alles zu verlieren, um endlich zu werden, was er im Grunde immer schon war. Heute blickt Niklaus im Spiegel endlich in das Gesicht, das seine Seele schon immer haben wollte. Niklaus Flütsch betreibt in Zug eine gynäkologische Praxis und ist als Geburtshelfer am Zuger Kantonsspital tätig. Daneben begleitet er transidente Menschen auf ihrem Weg, schreibt Fachartikel und hält Vorträge und Workshops im In- und Ausland.“

Das Buch besteht aus Fragmenten, durch die der Leser den Weg von Niklaus Flütsch nachvollziehen und miterleben kann. Hierbei kommt vor allem Niklaus selbst zu Wort, aber auch Beiträge von seiner Mutter, Freunden und Bekannten tragen dazu bei, dass der Weg einer transidenten Person greifbar wird und die Gefühle ebendieser so wie die Gefühle seines Umfelds verständlich gemacht werden.

Zuerst dachte ich, dass diese Textform anstrengend werden könnte, da diese sich in Stil und Länge stark unterscheiden und auch nicht chronologisch geordnet sind. Tatsächlich war es aber genau das, was mir die Person näherbrachte und die Grenze zwischen Zweifeln und Ankommen, sich einfügen wollen und die Entfaltung der eigenen Identität für mich besonders deutlich gemacht hat. Hierbei schildert Niklaus Flütsch auch seine Gedanken zur Rechtslage und den gesellschaftlichen Veränderungen, die zwischenzeitlich stattgefunden haben und auch immer noch nicht abgeschlossen sind. Durch die Fragmente wird sehr viel Persönliches preisgegeben, Flütsch beschreibt sowohl Rückschläge als auch Erfolgserlebnisse. Dadurch entsteht ein realistisches Bild eines möglichen Weges einer Transperson, doch am Ende überwiegen ganz klar die positiven Gefühle. Niklaus‘ abschließender Erfolg im Berufs- und im Privatleben zeigt, dass seine Entscheidung zur Transition die richtige war und kann Betroffenen und ihren Angehörigen Mut machen. Auch für Personen, die sich mit dem Thema (noch) nicht auskennen, ist das Buch lohnenswert: Begriffe werden erklärt und es gibt zusätzlich Anregungen und Vorschläge, wo man sich weiterbilden kann. Das Buch ist kein Ratgeber und auch keine Anleitung, aber dennoch bekommt man ein Gespür für die Thematik und wird angeregt, Themen, die einem gesellschaftlichen Tabu unterstehen, offener gegenüberzutreten.

Fazit: Ein mutiges und wichtiges Buch, dass mit seiner Offenheit und Ehrlichkeit absolut überzeugt.

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