Monthly Archives: November 2018

  • 0

Richard Laymon: Der Keller

Category : Allgemein

Verlag: Heyne, 2008, Übersetzer: Kristof Kurz

„Der Keller“ von Richard Laymon besteht eigentlich aus drei Romanen („Der Keller“, „Das Horrorhaus“ und „Mitternachtstour“), deren Inhalte sich um das sogenannte „Horrorhaus“ drehen. Vor Jahren sind dort schreckliche Morde passiert, doch nun ist das Haus zu einer Touristenattraktion geworden. Doch es kommt, wie es kommen muss: es geschehen weitere Morde. Und der Täter ist offensichtlich kein Mensch, sondern eine Kreatur, die im Keller haust…

Der erste Teil des Buches war meiner Meinung nach der beste. Die Geschichte des Horrorhauses war hier noch neu und unverbraucht. Es ging hier nicht nur um das Haus an sich, sondern auch um die Geschichte der Hauptpersonen. Eine Mutter und ihre Tochter auf der Flucht vor dem Exmann, stranden in der Stadt, in der das Horrorhaus steht. Die Geschichte ist spannend und mitreißend, spart aber auch nicht an expliziten Darstellungen von Sex und Gewalt.

Ich hatte schon vor dem Lesen gehört, dass Laymon nichts für schwache Nerven ist und vom Brutalitätsgrad deutlich über den meisten seiner Kollegen steht. Die ersten Seiten war ich noch nicht überzeugt davon, allerdings änderte sich dies recht schnell. Tatsächlich würde ich behaupten, dass ein paar dieser Szenen hart an der Grenze waren, zum Beispiel wenn Kinder involviert waren. Dennoch gehörten diese Szenen auch zu dem, was dieses Buch bzw. diese drei Bücher ausmacht. Hohe Literatur ist das zwar nicht, ich hatte aber auch nicht das Gefühl, dass das Laymons Ziel war. Gerade das erste Buch überzeugt mit interessanten Charakteren und einer spannenden, wenn auch schockierenden Handlung. Auch das Ende war meiner Meinung nach absolut lesenswert.

Der zweite Teil war ebenfalls gut. Auch hier wurde nicht mit schockierenden Szenen und Handlungsverläufen gespart. Der Plot knüpft direkt an den ersten Teil an, die Handlungsstränge aus Teil 1 wurden weitergeführt, aber es wurden auch neue Charaktere in einer andern Zeitebene eingeführt. Diese wirkten leider sehr austauschbar und wenig ausgearbeitet, daher fiel es mir hier deutlich schwerer, von der Geschichte gepackt zu werden.

Der schwächste Teil ist für mich auf jeden Fall der dritte. Die anderen Teile waren spannend und auf eine positive Weise grauenhaft, während der letzte Teil mich eher gelangweilt hat. Ich hatte hier das Gefühl, dass die Charaktere absolut keine Farbe mehr hatten, alle wirkten austauschbar und unsympathisch. Außerdem kam mir die Handlung doch sehr aufgewärmt vor und ich habe mich mehrfach dabei erwischt, wie ich ganze Seiten nur überflogen habe. Die anderen Bücher hatten zwar auch ihre Längen, aber im letzten Teil kam mir das extrem vor. Auch sämtliche Schockmomente überzeugten nicht mehr, weil ich das Gefühl hatte, das alles bereits gelesen zu haben.

Der Schreibstil riß mich nicht vom Hocker, passte aber durchaus zum Stil der Bücher.

Fazit: Die ersten beiden Bände sind schockierende Werke der Horrorliteratur für alle, die ihre böse Seite befriedigen wollen und absolut empfehlenswert (vorausgesetzt man hat starke Nerven und keine hohe Ekelschwelle), der dritte Band ist meiner Meinung nach lediglich ein Aufguss der Vorgänger.


  • 0

Jan Lucas: Cyrus Doyle und die Kunst des Todes

Category : Allgemein

Verlag: Aufbau, 2018

 

Dies ist der dritte Band um den Inspector Cyrus Doyle. Die ersten beiden Bände habe ich nicht gelesen, weswegen mir der Einstieg erst ein wenig schwerfiel, aber nach den ersten Kapiteln hatte ich mich dann doch noch gut in die Geschichte eingelesen. Es geht um eine tote Frau, die am Strand gefunden wird. Auf der Haut der Ermordeten ist mit Farbe eine obszöne Beleidigung geschmiert. Inspector Doyle ermittelt: was hat der Strandwächter wirklich gesehen, was hat es mit dem schwarzen Monster auf sich, das angeblich am Strand gesichtet wurde? Und was haben die Zeugen und Angehörigen der Toten zu verbergen?

Ob ich das Ermittlerteam nun sympathisch finde oder nicht, darüber war ich mir nie so ganz einig. Jetzt, da die Lektüre beendet ist, würde ich zumindest sagen, dass ich das Team auch in einem anderen Fall begleiten würde.

Die Geschichte nimmt auch sehr schnell Fahrt auf, es gibt eine Leiche und unzählige Verdächtige. Obwohl es vergleichsweise viele Personen gibt, verliert der Autor sich nicht im Namenwirrwarr, sondern schafft es, alle Personen so gut auszuarbeiten, dass der Leser ohne Probleme den Überblick behält. Es gibt einige Hinweise, die aber tatsächlich so uneindeutig sind, dass nicht sofort offensichtlich ist, wer die Tat begangen hat und es bis zum Ende spannend bleibt. Auch die Ermittler wirken authentisch, ihre Erkenntnisse nachvollziehbar und auch die zwischendurch eingestreuten Geschichten aus den Privatleben der Handelnden sind erfrischend und lenken nicht von der Haupthandlung ab. Dass ich die Vorgänger nicht kannte, hat mich nicht gestört, da ich trotzdem gut mitkam. Lucas verzichtet außerdem auf seltsame Zufälle, sondern überlässt die Aufklärung ganz seinen Figuren, ohne Fortuna miteinzubeziehen. Es gibt auch keine abstrusen Wendungen oder Verstrickungen, sondern alles bleibt in einem realistischen und nachvollziehbaren Rahmen, sodass man am Ende das Gefühl hat, einen soliden Krimi gelesen zu haben.

Das Buch hat kaum Längen, die Beschreibungen der Orte kreieren eine gute Atmosphäre und wirken meiner Meinung nach nie wie Füllmaterial. Stattdessen wird ein anschauliches Bild eines Ortes vermittelt, das durch eine kleine Karte am Anfang des Buches unterstützt wird.

Fazit: Ein solider, atmosphärischer Krimi, der ohne künstlich erzeugte Spannung auskommt und durchweg spannend bleibt.