Monthly Archives: Juli 2019

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Robert Fabbri – Vespasian. Das Blut des Bruders (Hörbuch)

Category : Allgemein

Verlag: Audiobuch (2018), Übersetzer: Anja Schünemann, Sprecher: Erich Wittenberg

Im 5. Teil der Vespasian-Reihe geht es weiter mit der Herrschaft von Kaiser Claudius. Für Vespasian bedeutet das nicht nur, dass er sich wieder mit der Politik des Kaiserhauses herumschlagen muss, sondern auch, dass seine Familie in höchster Gefahr ist. Außerdem geizt der Autor auch hier wieder nicht mit brutalen Kampfszenen, bei denen Vespasian sich diesmal gegen Druiden behaupten muss.

Da ich mittlerweile ein großer Fan der Reihe bin, habe ich mich natürlich wie wild auf dieses (Hör-)buch gefreut; wieder wurde ich nicht enttäuscht. Der Autor nimmt den Leser/Hörer erneut mit auf eine Reise ins antike Rom. Sowohl detailreich beschriebene Kämpfe als auch die Wirrungen der römischen Politik und die damit verbundenen Machtkämpfe werden eindrucksvoll und spannend beschrieben, sodass ich kaum aufhören konnte. Obwohl dieses Hörbuch das bisher längste der Reihe ist, kam es mir unglaublich kurz vor.

Nach so vielen Kämpfen in verschiedensten Gegenden gegen verschiedenste Gegner könnte man fast meinen, dass es langweilig wäre, schon wieder so viele Kampfszenen mitanhören zu müssen. Dies ist aber keinesfalls so: die Druiden bringen eine mystische Note ins Buch, wodurch sich entscheidende Unterschiede zu den anderen Kämpfen ergeben. Hierbei ist zu erwähnen, dass zwar viele, aber nicht alle mystischen Elemente logisch erklärt werden. Auch politisch ist wieder einiges los: Vespasian wird wieder einmal in die Machtkämpfe der Politik verwickelt. Die römische Politik ist ein Minenfeld, in der man niemandem trauen kann und bei der ständig das eigene Leben sowie das der Verbündeten auf dem Spiel steht. Hier wird noch mehr als in den anderen Teilen der weibliche Anteil an der Politik betont und hervorgehoben. Ganz nebenbei fließen auch Informationen über den Senat und die Gesetzgebung in die Geschichte ein. Außerdem gibt es ein Wiedersehen mit bereits bekannten Figuren: Flavia, Vespasia, Caenis, Magnus und Sabinus – hier wird auch das Familienleben beschrieben, dass durch die Nähe zum Kaiserhaus untrennbar mit der Politik verbunden ist. Die Skrupellosigkeit der Herrschenden kommt hier wieder ganz besonders zum Vorschein und lädt den Leser/Hörer ein, mitzufiebern und sich in der Welt der Antike zu verlieren. Vespasian, so wie auch alle anderen Figuren, werden weiterhin vielschichtig und facettenreich gezeichnet – positive und negative Aspekte der jeweiligen Persönlichkeiten kommen gleichermaßen zum Vorschein.

Fabbri hat in diesem Band wieder ganze Arbeit mit seiner Recherche geleistet – wenn natürlich auch Dinge ergänzt oder leicht verändert wurden. Alles in allem kommt die Geschichte wieder sehr authentisch rüber.

Auch in diesem Teil leistet der Sprecher hervorragende Arbeit. Die verschiedenen Stimmen, die Stimmung, alles passt zusammen und verhindert effektiv, dass auch nur annähernd so etwas wie Langeweile aufkommen könnte. Trotz der Länge definitiv auch als Hörbuch ein Genuss.

Fazit: Die Spannung lässt auch im 5. Teil der Reihe nicht nach. Die Handlung bleibt authentisch, interessant und wird spannend erzählt.


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Martin Schörle: »Nichtalltägliches aus dem Leben eines Beamten« und »Einladung zum Klassentreffen«

Category : Allgemein

Verlag: Engelsdorfer Verlag, 2016

Im Buch sind gleich zwei Theaterstücke enthalten, die sich jedoch recht stark voneinander unterscheiden. „Nichtalltägliches aus dem Leben eines Beamten“ ist ein Stück, dass sich ganz um den Vollblutbeamten Hans Fredenbek dreht, der sich in einem schier endlosen Monolog über alle möglichen Dinge auslässt. Aufgrund von Fredenbeks Art ist das erste Stück auch das schwerer zu lesende. Dies bedeutet jedoch nicht, dass das Lesen mir keinen Spaß bereitet hätte, ganz im Gegenteil. Fredenbeks überspitzte und merkwürdige Art war komisch und unterhaltsam, gleichzeitig brachte sie mich auch zum Nachdenken. Fredenbek scheint über seine Arbeit alles andere komplett vergessen zu haben, dies hebt auch hervor, welche Personen im Stück gerade nicht auftreten. Das Ende hatte für mich eine leicht bittere Note, wobei ich es gerade deshalb sehr gelungen fand. Da werden auch nochmal Fäden, die beinahe im Monolog zwischen selbstmörderischen Kalmaren und Gedanken zum Ratgeber des Ehepaares Pease untergehen, aufgegriffen. Hier muss man sehr genau lesen, um folgen zu können und die wichtigen Informationen auch mitzubekommen. Ich denke auch, dass sich bei diesem Stück ein zweiter Blick lohnt, da dann nochmal ganz andere Sachen auffallen. Insgesamt ein vielschichtiges Stück, dass mich gefordert hat und mir gleichzeitig beim Lesen viel Spaß bereitete.

Das zweite Stück liest sich deutlich leichter. Hier stehen zwei Personen im Dialog miteinander. Eigentlich wollte Carsten Marina zu einem Klassentreffen einladen, doch aus dem Telefonat entwickelt sich mehr. Immer weiter rollt sich die Vorgeschichte der Personen vor dem Leser auf, mal witzig, mal tragisch und auf jeden Fall unterhaltsam. Was hier auch wieder auffällt ist, wie gut der Autor Feinheiten und Gefühlsnuancen in seine Sätze verpacken kann. Wo im ersten Stück die Interaktion mit anderen Menschen eher rar gesät ist, lebt das zweite Stück von dem lebendigen Dialog und den Einwürfen von Außerhalb (den anderen Passagieren im Zugabteil, in welchem Marina sich befindet). Durch die Szenerie erinnert das ganze an die typischen Gespräche im Zug, wo man am liebsten erfahren würde, wie es weitergeht. Der entscheidende Unterschied dazu ist, dass wir es hier tatsächlich erfahren. Ich kann nicht unbedingt sagen, dass mir dieses Stück besser gefallen hätte, aber es las sich auf jeden Fall flüssiger und schneller. Beim ersten Stück musste ich ab und zu Pause machen, da es doch recht viel Input war, während ich das zweite Stück in einem Zug verschlungen habe.

Fazit: Zwei Theaterstücke, die zwar sehr unterschiedlich sind, aber beide gleichermaßen durch einen wirklich guten Schreibstil glänzen und die mir beide sehr gut gefallen haben. Hervorheben möchte ich die Vielschichtigkeit und die versteckten Details. Wenn man gerne Theaterstücke liest, sollte man diesen beiden Stücken auf jeden Fall eine Chance geben.